Theo - Aus Sicht einer alten Rattz

 

Theo, vielen Dank, dass du dich mit mir unterhalten magst.

 

Klar, kein Problem. Was willst du wissen?

 

Du bist jetzt mit deinen 2 Jahren und 1 Monat kein Jungspund mehr. Wie geht es dir?

 

Nun ja, ich habe eine Herzinsuffizienz, die dafür verantwortlich ist, dass meine Hinterbeine mir nicht mehr so richtig gehorchen wollen. Das führt leider automatisch dazu, dass ich nicht mehr klettern kann. Oder zumindest nicht mehr so gut. Ich muss öfter Pause machen und mache überhaupt alles viel langsamer als früher.

 

 

Stört dich das sehr?

 

Och, eigentlich nicht. Du hast uns ja einen großen Käfig mit einer Grundfläche von 200 x 58 cm gebaut. Ich halte mich eistens auf der obersten Etage auf. Da ist aber Platz genug für mich, um mich zu bewegen. Vor ein paar Wochen, in dem alten Käfig, der nur halb so groß war, fand ich es manchmal sehr langweilig, dass ich nur auf der obersten Etage sein konnte. Da konnte ich ja nur drei Schritte gehen, bis ich an die nächste Wand kam. Jetzt kann ich weitere Strecken zurück legen und das tue ich auch sehr gern. Und wenn du mich zum Auslauf raus nimmst, reicht mir das bisschen Herumlaufen auch völlig aus. Meist mag ich eh viel lieber mit dir kuscheln, wie jetzt gerade.

 

Wie kommen deine Artgenossen damit klar, dass du eine Hinterhandlähmung hast?

 

Die sind ganz cool drauf. Sie respektieren, dass ich nicht so schnell kann und nicht mehr klettern mag. Der Fiete bringt mir von seinen Auslauf-Ausflügen oft was mit. Wenn er unterwegs Leckereien findet, stopft sich sie ins Mäulchen, bis er fast nicht mehr laufen kann und dann bringt er sie mir und wir essen sie gemeinsam auf. Das finde ich toll!

 

 

Das ist wirklich sehr lieb!

Was erwartest du von einem Menschen - insbesondere mir - in Bezug auf dein Alter?

 

Ich erwarte, dass man mir Zeit lässt. Bei allem. Wenn ich zu dir kommen soll, dass du mir Zeit gibst, auf dem Weg zu dir eine Pause oder zwei einlegen zu können. Und dass du mich nicht zwingst, etwas zu tun (z.B. klettern), das über meine Kräfte hinaus geht.

 

Wären Integrationen in Ordnung?

 

Die sind sehr stressig für mich, aber ich liebe Gesellschaft. Wenn mir das Kennenlernen fremder Ratten so viel Stress bereitet, dass du mir ansiehst, dass es mir schlecht geht, solltest du das Treffen für den Tag abbrechen.

 

Hast du Schmerzen, wenn ich dich überfordere?

 

Schmerzen direkt nicht, aber mir wird die Luft knapp. Weil mein Herz nicht mehr so richtig mitmacht, bekomme ich unter Stress schlechter Luft. Deshalb muss ich dann Pausen machen und mich entspannen. Schmerzen sind das nicht, aber unangenehm ist es trotzdem. Atemnot ist nunmal einfach nicht schön.

 

 

Der Tierarzt sagte, ich solle deine Hinterbeine regelmäßig bewegen, damit deine Muskeln nicht verkümmern. Ist das okay für dich?

 

Ja, das finde ich schön. Wenn man alt ist und die Beine nicht mehr so richtig wollen, möchte man - so geht es mir jedenfalls - manchmal lieber schmusen. Deine Körperwärme fühlt sich toll an. Und wenn du meine Beine ein bisschen vor- und zurückschiebst, ist das okay für mich. Ich bin zwar schwach, aber wenn mir was nicht gefallen würde, würde ich dir das schon zeigen.

 

Würdest du mich beißen?

 

Kommt drauf an, was du tätest. [grinst] Aber ich würde mich zumindest durch Rumzappeln wehren.

 

 

Wenn der Moment kommen sollte, in dem ich mich entscheiden muss, dich einschläfern zu lassen oder nicht, was wäre dein Wunsch?

 

Wenn ich keine akuten Schmerzen oder Atemnot habe, würde ich lieber Zuhause, bei meinen Freunden sterben. Ein Sterbevorgang dauert manchmal ein paar Stunden, das habe ich schon bei verstorbenen Kumpels erlebt. Aber wenn ich dabei nicht leide, möchte ich, dass du mich in Ruhe lässt. Nur, weil ich alt bin und vielleicht etwas struppig aussehe und nicht mehr so gut zu Fuß bin, viel schlafe und nicht mehr klettern mag, bedeutet das nicht, dass ich eingeschläfert werden sollte!

 

Um Gottes Willen, Theo, das wollte ich damit nicht sagen! Du darfst alt sein - und dich auch so verhalten. Du lebst nun mit deinem Bruder und drei jüngeren Kumpels zusammen. Gehen die dir nicht auf den Geist?

 

Sie sind manchmal schon etwas wild, aber sie haben ja sich gegenseitig, zum Spielen und Toben und lassen meinen Bruder Freddy und mich für gewöhnlich in Ruhe. Wenn sie Kuschelbedarf haben, bin ich aber stets für sie da. [grinst] Ich finde es eher erfrischend, dass wir drei Jungspunde im Rudel haben. Sie halten uns mental fit. Außerdem kann mein Bruder Freddy so weiter seinen Chefposten ausüben. Manchmal brauchen die Jungspunde nämlich einen alten Knacker, der ihnen sagt, wo's langgeht. [grinst]

 

 

Ich danke dir, für dies Interview!

 

Gern. Hast du was zu essen dabei?

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