Zeitungspapier im Nagerkäfig?

 

Was sich unter Rattenhaltern bereits vor Jahrzehnten etabliert hat, wird in der Welt der anderen Nagerarten noch weitestgehend skeptisch beäugt: Zeitungspapier als Auflage für die Etagen oder als Nistmaterial.

 

In der Regel wird argumentiert, die Druckerschwärze sei giftig. Dies ist nicht der Fall.

 

Vorab: Die Rede ist von schwarz-weißem Zeitungspapier. Nicht von Hochglanzmagazinen oder Illustrierten.

 

Druckerschwärze besteht heutzutage vor allem aus Ruß. Dieser besteht wiederum aus Kohlenstoff. Kohlenstoff in Reinform kann bei dauerhaftem Einatmen zu Lungenschädigungen führen. (Das kann Mehl aber z. B. auch; alle Stäube können das.)

 

Jedoch ist der Kohlenstoff bzw. Ruß für die Druckerschwärze ja kein reiner Kohlenstoff mehr. Er wird mit Leinöl oder Sojaöl  angemischt, denn dieses dient als Bindemittel. Somit ist der Kohlenstoff nicht mehr flüchtig und kann nicht mehr eingeatmet werden.

 

(An dieser Stelle sei gesagt, dass bedruckte Zeitungen nicht gleichzusetzen sind, mit Druckertonern. Hersteller von Druckertonern empfehlen, vorsichtig im Umgang mit diesen zu sein. Was allerdings eben daran liegt, dass der Toner in dem Fall noch pulverartig und somit lungengängig ist. Bei fertig bedruckter Zeitung ist dies nicht mehr der Fall.)

 

Es handelt sich in der Druckerschwärze viel mehr um das bekannte Graphit, aus dem z. B. auch Bleistiftminen hergestellt werden. (Weshalb der Begriff "Bleistift" im Übrigen auch faktisch falsch ist.)

 

Graphit bzw. Kohlenstoff kann man sich sogar in der Apotheke als Medikament geben lassen, wenn man unter einer Magen-Darm-Verstimmung leidet. Wer kennt sie nicht - die schwarzen "Kohletabletten", die wir als Kind alle irgendwann mal bekommen haben?

 

Und die berühmten "Fish & Chips" der Briten werden traditionsgemäß in Zeitungspapier serviert. Wir Menschen essen also gelegentlich direkt aus Zeitungspapier - und ich möchte wetten, es gibt Menschen, die tun dies sehr, sehr häufig, denn Fish & Chips sind wirklich sehr lecker. *grins* Ja, auch auf dem Wochenmarkt wird frischer Fisch gern mal in Zeitungspapier eingewickelt.

 

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass verschiedene Zeitungsverlage auch verschiedene Druckerschwärzen benutzen. Es ist nicht der Fall, dass alle Zeitungsverlage "all over the world" dieselbe Druckerschwärze verwenden. Sollte man sich die Mühe machen wollen, kann man also auf Nummer sicher gehen und beim Verlag seiner jeweiligen Tageszeitung nachfragen, aus welchen Bestandteilen die Druckerschwärze besteht. Ganz sicher werden die Verlage darüber sehr gerne Auskunft erteilen.

 

Es gibt nach wie vor Zeitungsverlage, die ihrer Druckerschwärze Jod beimischen. Dies sorgt dann sogar dafür, dass das Zeitungspapier ein Keimwachstum vermindert und somit praktisch antiseptisch wirken kann. Dies ist unter Anderem der Grund, weshalb auch langjährige Reptilienhalter in den Quarantäne-Terrarien ihrer (oftmals sehr wertvollen) Lieblinge Zeitungspapier als Bodengrund verwenden.

 

 

Quellen:

 

"Gutenbergs Farbmischung um 1440 bestand weitgehend aus Ruß (17-22 %) und Leinöl als Bindemittel. Diese Mischung bestimmt noch heute weitgehend die Druckverfahren. Füllstoffe und Mineralöle haben jedoch den pflanzlichen Anteil ersetzt. Umweltbewusste Drucker kommen zu den Wurzeln zurück, Wachse und pflanzliche Öle werden vermehrt auch im Zeitungsdruck eingesetzt."


(Quelle: http://wp.radiertechniken.de/werkzeuge/farbe-und-farbenherstellung/)

 

Auch Degupedia hat dazu einen Artikel verfasst: Klick!

 

"Damit es zu einer Vergiftung käme, müsste man eine in Tierversuchen ermittelte Dosis von zwei Gramm Farbe pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Da der Gewichtsanteil der Farbe an einer Zeitung höchstens zwei Prozent beträgt, müsste selbst ein kleines Kind drei komplette ZEIT- Ausgaben essen, bevor es gefährlich wird."

 

(Quelle: DIE ZEIT / Ausgabe 13/2009 / Artikel: Stimmt's: Gefahrlos genießbar oder http://www.zeit.de/2009/13/Stimmts)

 

Der Verein Pro Igel e. V. hat sogar einen Experten zu dem Thema Zeitungspapier und kritische Inhaltsstoffe befragt:

 

"Manfred Paul ist Buchdrucker-Lehrmeister und leitet den eigenen Betrieb. Er sagt: "Wir hier in der Druckerei laufen nicht mit Schutzhandschuhen herum, solche wie ich sind nicht elend krank, und meine Mitarbeiter haben keine überdurchschnittlichen Krankheitsausfälle. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals einem Drucker mit Allergie begegnet zu sein." Es gibt seit einigen Jahren die Verordnung, daß Farbdosen "spachtelrein" und anfallende Farbreste über "Wertstoffhändler" oder entsprechende Stellen zu entsorgen sind. Als diese Verordnung herauskam, sind die Druck-farbenfabriken dagegen sturmgelaufen, weil sie den Grund nicht verstanden und keinesfalls mit Lackfabriken gleichzustellen sind. Es wurde nicht behauptet, daß Druckfarbe gesund ist. Sie ist aber auch nicht giftig. Zeitungsdruckfarbe besteht zu 15 bis 20 Prozent aus Ruß. Weitere 10 bis 15 Prozent sind sogenannte Hilfsstoffe. Dazu kommen noch Bindemittel, die teils auf mineralischer, teils auf pflanzlicher Basis hergestellt werden. Heute wetteifern die Farbenhersteller miteinander um die "ökologischsten" Biodruckfarben.


Flüchtige Inhaltsstoffe von Tiefdruckfarben für die Massenherstellung von Illustrierten müssen abgesaugt werden. Das ist die einzige Maßnahme, die bei der Handhabung von Druckfarben vor-geschrieben ist. Von einer "Zeitungspapier-Allergie", die ja auf Giftstoffe hinweisen könnte, hat Manfred Paul noch nie gehört.


Bedenken wir auch, daß es Tausende von Menschen gibt, die mit der Zeitung in der Hand essen - und die, die hinterher auf und unter der Zeitung schlafen!"

 

(Quelle: Igel-Bulletin / Ausgabe 17 vom Mai 1997)

 

Weitere Quellen: "Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2010

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